Galaktose und Leistungssport

Galaktose und Leistungssport

Jede sportliche Betätigung erfordert eine optimale Stoffwechsellage unserer Skelettmuskulatur und unseres Herzens (näherungsweise eine Mischung aus Skelett-muskulatur und glatter Muskulatur). Je nach Sportart sind die Belastungen und daher die Erfordernisse an den Muskelstoffwechsel unterschiedlich. Immer  benötigen die Muskeln Energie, also biologische Energie, die Adenosintriphosphat (ATP) und Kreatinphosphat (CP) heißt. Die Hauptquelle für die Energiegewinnung ist Glucose (=Traubenzucker). Dazu wird Glucose oxidativ verstoffwechselt. Die hierbei entstehenden Produkte werden in den Mitochondrien, den Kraftmaschinen der Zelle, ermöglichen die Gewinnung von ATP, das Kreatinphosphat bildet. Die Energiegewinnung und damit die Leistungsfähigkeit der Muskulatur ist daher abhängig von der intrazellulären Glucose. Ihre Aufnahme in die Zelle wird durch Insulin reguliert. Insulin kann jedoch nur dann seine Funktion erfüllen, wenn es von einer Antenne auf der Zelloberfläche, dem Insulin-Rezeptor, erkannt wird. Nach der Erkennung wird anschließend die Insulin-spezifische Information in die Zelle hinein geleitet. Es ist ein ähnlicher Weg wie von der Hausantenne zum Fernseher.

Warum Galaktose im Leistungssport? Im Unterschied zu Glucose benötigt Galaktose nicht die Insulin-vermittelte Aufnahme in die Zelle. Galaktose folgt dem einfachsten Transportmechanismus, dem Konzentrationsgradienten. Daher muss der Sportler genügend Galaktose zu sich nehmen (10 bis 30g/Tag), damit die extrazelluläre Konzentration eine kritische Schwelle überschreiten kann. Dadurch erhält er über diesen Nahrungsergänzungsstoff eine zusätzliche Vorstufe für Glucose, da Galaktose in der Zelle rasch und quantitativ in Glucose umgewandelt wird, deren Verstoffwechselung in bewährter Weise zu biologischer Energie führt. Die Leistungsfähigkeit der Muskulatur wird entscheidend gestärkt.

Dr. med. Werner Reutter (* 5. Februar 1937 in Hornberg; † 28. Mai 2016)

Professor (em.) für Biochemie und Pathobiochemie Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Arnimallee 22
14195 Berlin-Dahlem