Die Galactose Funktion bei Septischem Schock

Kurzfassung der Galactose Funktion bei Septischem Schock:

Die geschädigte Leber (z.B. nach einer Infektion) ist nicht mehr in der Lage, den beim Eiweißabbau entstehenden Ammoniak abzubauen. Er diffundiert frei durch den ganzen Organismus. Ammoniak (wie auch die Bakterienstoffe Endotoxine) ist ein starkes Gift für den Insulinrezeptor, der in allen Zellen die Aufnahme des essentiellen Nährstoffes Glucose fördert. Das trifft für alle Organe zu, besonders jedoch auf das Gehirn, da es ausschließlich auf Glucose als sein einziges Nährmittel angewiesen ist. Daher wirkt sich diese endogene Vergiftung zunächst auf das Gehirn aus, betrifft aber je nach Dauer der Schädigung alle Organe und kann daher zum Multiorganversagen führen. Während die Aufnahme von Glucose Insulin-abhängig ist, kann der Schwesterzucker Galactose Insulin-unabhängig von Zellen aufgenommen werden. Dazu sind relativ hohe Mengen an Galactose notwendig. In der Zelle wird Galactose rasch in Glucose umgewandelt (bereits vor 60 Jahren durch den Nobelpreisträger Louis Leloir gezeigt). Damit ist der Glucosemangel in der Zelle behoben und sie kann wieder Energie zur Aufrechterhaltung ihrer Funktionen bilden.

Dr. med. Werner Reutter (* 5. Februar 1937 in Hornberg; † 28. Mai 2016)

Professor (em.) für Biochemie und Pathobiochemie Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Arnimallee 22
14195 Berlin-Dahlem